Interprofessionell ausbilden – Was das Rahmencurriculum für Praxisanleitende bedeutet
Einführung: Warum dieses Curriculum für die Praxisanleitung entscheidend ist
Interprofessionelle Zusammenarbeit ist längst fester Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung. Das Rahmencurriculum zeigt, wie Lernende diese Kompetenz systematisch erwerben — in Schule, Studium und vor allem im Praxisalltag. Für Praxisanleitende bedeutet das: Sie sind die Personen, die Interprofessionalität sichtbar, erlebbar und reflektierbar machen. Das Curriculum liefert dafür klare Strukturen, konkrete Beispiele und viele Methoden, die direkt in der Anleitung genutzt werden können.
Kurz zusammengefasst:
- Das Curriculum stellt dafür Methoden, Kompetenzen und Lernanlässe bereit
- Interprofessionalität wird verbindlicher Teil der Pflegeausbildung
- Praxisanleitungen prägen entscheidend, wie Lernende Zusammenarbeit erleben
Vorwort & Glossar – Die Ausgangsbasis
Das Vorwort macht deutlich: Das Curriculum wurde wissenschaftlich entwickelt und gemeinsam mit vielen Perspektiven — Lehrenden, Praxisanleitenden, Wissenschaft, Patient*innen — abgestimmt. Das Glossar definiert Schlüsselbegriffe wie Team, Profession, Lernort oder Rollenverständnis, die im Alltag oft unterschiedlich verwendet werden. Diese gemeinsame Sprache erleichtert das Anleiten und schafft Klarheit.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Der Rahmen hilft, ein gemeinsames Verständnis mit Lernenden herzustellen
- Gemeinsame Begriffe erleichtern Anleitungsgespräche
- Viele Definitionen (z. B. Team, Rolle, Lernort) lassen sich direkt zur Erklärung in der Praxis nutzen
Einführung – Warum Interprofessionalität heute Pflicht ist
Die Einleitung zeigt, warum IPE kein „Trend“ ist, sondern gesetzlich verankertes Ausbildungsziel. Studien, WHO-Empfehlungen und gesetzliche Grundlagen (PflBG) belegen: Interprofessionelles Handeln verbessert Sicherheit, Ergebnisqualität und Arbeitszufriedenheit. Das Curriculum sieht die Praxis als zentralen Ort, an dem Lernende echte multiprofessionelle Situationen erleben — also dort, wo Praxisanleitende wirken.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Die Praxis prägt stärker als jeder Lernort, wie Interprofessionalität verstanden wird
- Lernende sollen Teamarbeit aktiv erleben und reflektieren
- Anleitende fördern Rollenverständnis und professionelle Identität
Aufbau des Curriculums – Domänen, Anlässe, Kompetenzen
Das Curriculum basiert auf sechs Kompetenzbereichen: Rollenverständnis, Kommunikation, Werte, Reflexion, Teamarbeit und Personenzentriertheit. Dazu kommen typische „Handlungsanlässe“ aus der Versorgung, an denen Lernende interprofessionelles Handeln konkret erfahren können. Jede Kompetenz ist für das 1., 2. und 3. Ausbildungsdrittel klar beschrieben.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Handlungsanlässe helfen, passende Praxissituationen auszuwählen
- Die Domänen sind ideale Orientierungspunkte für Anleitungsgespräche
- Lernziele pro Ausbildungsdrittel zeigen realistisch, was Lernende können sollten
Kontextfaktoren – Was Einrichtungen für IPE bereitstellen müssen
Damit interprofessionelles Lernen funktioniert, müssen Organisationen bestimmte Voraussetzungen schaffen: Zeitfenster, gemeinsame Lernorte, offene Teamkultur, Fortbildungen und Kooperationsstrukturen. Die Praxis ist dabei ein besonders sensibler Bereich, weil hier Rollenbilder, Kommunikation und Kultur unmittelbar erlebbar sind.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Gute Anleitung braucht ein wertschätzendes Teamumfeld
- Anleitende profitieren von Austauschformaten wie Teaching Clubs oder Qualitätszirkeln
- Lernortkooperation (Schule – Praxis – Hochschule) muss aktiv gepflegt werden
Lehr-Lern-Einheiten für die berufliche Pflegeausbildung
Die neun Lerneinheiten behandeln zentrale Themen wie Rollenklärung, Mobilisation, Kommunikation, Diversität, Beratung, Fehlerkultur, Ethik, Politik und Evidenz. Jede Einheit enthält klare Lernziele, Methoden, Fälle und Hinweise für die Praxis. Sie bilden die Grundlage für interprofessionelle Lernmomente in der praktischen Ausbildung.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Praxisanleitende machen Interprofessionalität für Lernende konkret erfahrbar
- Jede LLE (Lehr-Lern-Einheiten) liefert Aufgaben, die sich direkt in die Praxis übertragen lassen
- Beobachtungsaufträge, Interviews und Tandems eignen sich hervorragend für Anleitungen
Module für die hochschulische Pflegeausbildung
Die drei Module vertiefen Interprofessionalität auf akademischer Ebene: wissenschaftliches Rollenverständnis, Kommunikation & Patientensicherheit, evidenzbasierte Entscheidungsfindung. Die Module verbinden Theorie und Praxis stärker und fordern komplexere Reflexionsprozesse.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Studierende bringen vertieftes Wissen mit — Praxisanleitungen helfen bei der Anwendung
- Gemeinsame Visiten, Anamnesen und Reflexionen sind besonders wertvoll
- Leitlinien, SDM und Evidenz lassen sich in Anleitungsgesprächen gut aufgreifen
Fazit & Empfehlungen – Erkenntnisse aus dem Projekt
Die Evaluation zeigt: Interprofessionelle Lernangebote sind wirksam, motivierend und gut umsetzbar — aber sie benötigen klare Strukturen, Zeit und eine gemeinsame Haltung. Lehrende und Anleitende brauchen auch selbst Kompetenzen in IPE, damit Lernende davon profitieren.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Positive Haltung und Offenheit in der Praxis sind entscheidend
- Gute Anleitung setzt Wissen über Teamprozesse, Rollen und Kommunikation voraus
- Nur gelebte Interprofessionalität im Team wirkt nachhaltig auf Lernende
Anhang – Der methodische Werkzeugkasten für die Praxis
Der Anhang ist für Praxisanleitende besonders wertvoll. Er enthält konkrete Tools, die direkt im Alltag eingesetzt werden können:
Methoden der Ergebnissicherung
z. B. Wandzeitungen, Beobachtungsbögen, Logbücher, Reflexionsvorlagen.
Diese helfen, Lernentwicklung sichtbar zu machen.
Simulationsszenarien
Mobilisation (Pflege + Physio) und Medikationsfehler (Pflege + Medizin).
Mit Rollenbeschreibungen, Debriefing-Leitfäden und Life-Saver-Hinweisen.
Evaluationsinstrumente
Fragebögen zu Rollenverständnis, Kommunikation, Teamarbeit und Reflexion.
Wichtig für die Praxisanleitung:
- Alle Materialien sind direkt anwendbar — ohne großen Zusatzaufwand.
- Szenarien können im Praxisalltag oder Teamtraining genutzt werden.
- Reflexionstools erleichtern strukturierte Anleitungsgespräche.
Fazit: Was Praxisanleitende aus dem Rahmencurriculum mitnehmen sollten
Interprofessionelle Zusammenarbeit ist kein abstraktes Lernziel, sondern gelebter Alltag — und die Praxisanleitung ist der Ort, an dem Lernende diese Erfahrung machen. Das Rahmencurriculum bietet dafür eine klare Struktur, viele Methoden und praxisnahe Konzepte. Wer als Praxisanleitung Interprofessionalität bewusst gestaltet, fördert nicht nur die Kompetenz der Lernenden, sondern stärkt die Qualität der Versorgung und das Teamgefühl.
Quellen / Zum Weiterlesen
- Balzer, K., Busch, J., Faber, A., Hildebrand, B., Kühn, A., Lehnen, T., Leimer, M., Lüth, F., Püschel, L., Rahn, A., Tolksdorf, K., Gahlen-Hoops, W. & Wolter, L. (2025). Rahmencurriculum zur Stärkung der interprofessionellen Edukation (interEdu): Für die berufliche und hochschulische Pflegeausbildung. Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
