Interdisziplinäre Gruppenprüfung

Gemeinsam prüfen – und verstehen, wie Teamarbeit entsteht

Vier Lernende sitzen an einem Tisch:
eine Pflegeauszubildende, ein Medizinstudent im PJ, eine angehende Physiotherapeutin und eine Studierende der Sozialen Arbeit.
Vor ihnen liegt ein Fall aus der Praxis – komplex, vielschichtig, ohne eindeutige Lösung.

Was jetzt folgt, ist kein Unterricht.
Aber auch keine Abschlussprüfung.

Der Fokus liegt nicht auf Bestehen oder Nichtbestehen.
Sondern auf der Frage:

Wie weit sind wir in unserem professionellen Denken – und wie gut gelingt uns Zusammenarbeit?

Nicht isoliertes Fachwissen.
Und auch keine Detailabfragen.

Im Mittelpunkt stehen:

  • das Verständnis der eigenen Berufsrolle
  • die Wahrnehmung der Perspektiven anderer Professionen
  • die Fähigkeit, Beobachtungen zu begründen
  • die Qualität der Kommunikation im Team
  • das gemeinsame Abwägen von Handlungsoptionen

Die Lernenden bearbeiten gemeinsam einen realistischen Fall und bringen ihre jeweiligen Sichtweisen aktiv ein. Die Prüfungssituation wird damit selbst zu einem Lernmoment.

Der Fall ist praxisnah und so angelegt, dass mehrere Professionen notwendig sind, um ihn zu verstehen und weiterzudenken. Pflege, Medizin, Therapie und soziale Aspekte greifen ineinander.

Jede Person spricht aus ihrer professionellen Perspektive.
Nicht nacheinander im Sinne von Vorträgen, sondern im dialogischen Austausch.

Zuhören, Nachfragen, Begründen und Verknüpfen werden bewusst beobachtet und rückgemeldet.
Nicht als „Soft Skills“, sondern als zentrale berufliche Kompetenz.

Am Ende steht keine perfekte Antwort, sondern ein gemeinsam entwickeltes Vorgehen – nachvollziehbar begründet und offen für Weiterentwicklung.

Interprofessionelle mündliche Gruppenprüfungen als Lernstandsüberprüfung …

  • machen Denkprozesse sichtbar
  • fördern Perspektivwechsel ohne Leistungsdruck
  • stärken die eigene professionelle Rolle im Team
  • zeigen frühzeitig Kommunikationsmuster und Lernbedarfe
  • unterstützen eine konstruktive Feedbackkultur

Sie senden eine klare Botschaft:

Zusammenarbeit ist lernbar – und darf geübt werden.

  • Kooperationspartner aus anderen Bildungsgängen
  • einen realistischen, gut vorbereiteten Fall
  • klare Struktur und transparente Kriterien
  • Mut, Kontrolle zu teilen
  • Zeit für gemeinsame Reflexion

Mehr braucht es nicht.
Aber es verändert viel.

Die interprofessionelle Gruppenprüfung als Zwischenprüfung schafft einen geschützten Raum, um genau dort hinzuschauen:
Wie sprechen wir miteinander?
Wie begründen wir unser Handeln?
Wo entstehen Reibungen – und warum?