Freitagnachmittag in der Kinderintensivpflege
Drei Sätze, die Vertrauen schaffen
Freitagnachmittag in der ambulanten Kinderintensivpflege
Es ist Freitagnachmittag in der ambulanten Kinderintensivpflege. Durch das halb geöffnete Fenster fällt weiches Licht ins Kinderzimmer. Lina, acht Jahre alt, sitzt in ihrem Pflegebett. Das leise Summen des Beatmungsgeräts bildet den Hintergrund ihres Alltags. Neben ihr steht Sophie, 24 Jahre alt, Auszubildende im dritten Lehrjahr. Heute soll sie zum ersten Mal eigenständig die Trachealkanüle kontrollieren und die Umgebung um die Einstichstelle pflegen.
Frau Becker, ihre Praxisanleiterin, steht ruhig neben ihr. Sie beobachtet, wie Sophie sich vorbereitet – Händedesinfektion, Material zurechtlegen, Handschuhe anziehen. In der Bewegung liegt eine gewisse Anspannung. Sophie weiß, wie empfindlich die Haut rund um Linas Kanüle ist. „Atmen Sie erst einmal durch“, sagt Frau Becker leise. Sophie nickt und konzentriert sich.
Mit ruhiger Stimme spricht sie zu Lina, erklärt, was sie gleich tun wird. Sie löst vorsichtig den Verband, prüft die Haut auf Rötungen und reinigt die Umgebung um die Kanüle. Lina beobachtet sie aufmerksam, ihre Augen verraten ein leises Misstrauen, doch Sophie bleibt ruhig und geduldig. Als das Desinfektionsmittel die Haut berührt, zuckt Lina kurz zusammen. Sophie hält kurz inne, wartet, bis das Kind sich wieder entspannt, und fährt dann fort. Frau Becker greift nicht ein. Sie sieht, dass Sophie sicher arbeitet – aufmerksam, achtsam, konzentriert.
Nachdem alles wieder sauber versorgt ist, überprüft Sophie noch einmal alle Anschlüsse. Ihr Blick wandert kurz zu Frau Becker, die ihr ein aufmunterndes Nicken schenkt. In diesem Moment spürt Sophie, dass sie die Verantwortung tragen kann.
Im Anschluss setzen sich beide ins Wohnzimmer. Die Atmosphäre ist ruhig, Lina spielt nebenan. Frau Becker beginnt das Feedback:
„Ich habe gesehen, dass Sie sehr konzentriert gearbeitet haben und besonders auf Linas Reaktionen geachtet haben (Wahrnehmung). Das vermittelte mir Sicherheit – und ich glaube, auch Lina hat das gespürt (Wirkung). Beim nächsten Mal könnten Sie zusätzlich laut aussprechen, was Sie tun. Das hilft Ihnen, den Ablauf zu strukturieren und gibt auch den Eltern Orientierung (Weiterentwicklung).“
Sophie lächelt, erleichtert und stolz zugleich. „Ich war so fokussiert, dass ich gar nichts gesagt habe. Aber das stimmt – laut Denken würde mir helfen, ruhiger zu bleiben.“
Drei Sätze, keine Bewertung, kein Tadel – nur klare, wertschätzende Rückmeldung. Das WWW-Feedback entfaltet hier seine Wirkung: Wahrnehmung, Wirkung, Weiterentwicklung – in ruhigem Ton, mit echtem Interesse.
Für Sophie war dieser Freitagnachmittag mehr als eine Übung. Sie erlebte, dass Feedback kein Prüfmoment ist, sondern ein Dialog, der stärkt. Und Frau Becker weiß, dass gerade in der ambulanten Kinderintensivpflege solche Momente kostbar sind – weil hier jedes Feedback zählt, wo Routine und Teamstrukturen fehlen.
Diese Szene zeigt, wie Lernen gelingt, wenn Vertrauen die Basis ist. Sophie hat an diesem Nachmittag nicht nur fachlich dazugelernt, sondern gespürt, dass Verantwortung wachsen darf – behutsam, im eigenen Tempo.beim nächsten Einsatz mit einer kleinen, klaren Vereinbarung.
