Digitale Kompetenzen in der Praxisanleitung
Wie digital ist die Pflegeausbildung wirklich?
Im Stationszimmer leuchtet das Tablet auf. Lisa öffnet die digitale Dokumentation, klickt sich durch Checklisten, scrollt – kurz ein Stirnrunzeln. „Ich hab’s nicht gefunden“, sagt sie leise.
Ihre Praxisanleiterin nickt. „Dann suchen wir’s gemeinsam. Aber eins nach dem anderen.“
Beide beugen sich über den Bildschirm – Routine trifft auf Lernbereitschaft. Eine Szene, wie sie in vielen Einrichtungen heute Realität ist. Und ein gutes Sinnbild für die Frage:
Wie steht es um die digitalen Kompetenzen in der Praxisanleitung?
Zwischen Anspruch und Alltag
Das Forschungsprojekt DIKOMED BW hat Praxisanleitende befragt, wie sie digitale und technische Anwendungen in ihrem Arbeitsalltag nutzen.
Das Ergebnis: Digitale Dokumentation – ja, die kennen fast alle. Aber Robotik, Virtual Reality oder Sensorsysteme? Eher selten.
Die Befragten schätzten ihre Kenntnisse realistisch ein: Viele gaben an, digitale Tools zwar zu kennen, sie aber kaum aktiv einzusetzen. Gründe dafür sind fehlende Schulungen, technische Hürden – und die Sorge, dass digitale Prozesse den zwischenmenschlichen Kontakt verdrängen könnten.
Herausforderung: Mensch und Maschine
Pflege ist Beziehungsarbeit. Das sagen nicht nur Theorien, das spüren alle, die täglich in diesem Beruf stehen.
Genau hier liegt der Knackpunkt: Wenn digitale Technologien Einzug halten, entstehen neue Spannungsfelder – zwischen Effizienz und Empathie, Datensicherheit und Dialog, Standardisierung und Spontaneität.
Viele Praxisanleitende befürchten, dass Technik zusätzliche Arbeit schafft, anstatt sie zu erleichtern. Und sie haben nicht Unrecht: Der Zeitaufwand für Schulungen, Softwarepflege oder Fehlersuche ist real.
Doch zugleich zeigen Projekte wie DIKOMED BW, dass digitale Kompetenz nicht nur technisches Wissen meint.
Es geht um Haltung – um digitale Souveränität.
Was das für die Praxis heißt
Digitale Kompetenz in der Praxisanleitung bedeutet:
- Technik verstehen und sicher anwenden können
- Lernende in die Nutzung digitaler Tools einführen
- Datenschutz, Ethik und Technikfolgen reflektieren
- Chancen für Lernen und Patientensicherheit erkennen
Das ist mehr als „mit dem Tablet dokumentieren“. Es geht um ein didaktisches Weiterdenken: Wie können Praxisanleitende digitale Tools sinnvoll in Lernprozesse integrieren? Wie können sie Lernende begleiten, wenn diese digital oft schon weiter sind als sie selbst?
Und jetzt?
Digitalisierung ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist – sie ist ein Lernprozess. Für Praxisanleitende bedeutet das: dranzubleiben, auch wenn es anfangs ungewohnt ist.
Ein erster Schritt kann sein, die nächste Anleitung gezielt digital zu gestalten – etwa indem die Auszubildende eine Pflegesituation mit dem Tablet dokumentiert und anschließend gemeinsam reflektiert wird, was gut funktioniert hat und wo Grenzen der Technik liegen.
So entstehen Lernmomente, die beides fördern: digitale Kompetenz und pädagogische Sicherheit.
Wer digitale Werkzeuge bewusst in kleine, überschaubare Schritte integriert, macht sie mit der Zeit zum selbstverständlichen Teil der Praxisanleitung.
