Die Praxisanleitungsmethode – Ein neues Fundament für professionelles Lernen in der Pflege
Wie gelingt gute Praxisanleitung?
Diese Frage steht im Mittelpunkt des Sammelbandes Die Praxisanleitungsmethode (hrsg. von Veronika Anselmann, Sebastian Anselmann & Benjamin Bohn, Springer 2025).
Das Buch verbindet empirische Forschung, pflegepädagogische Theorie und praktische Erfahrung – und entwickelt daraus ein umfassendes Modell zur Professionalisierung von Praxisanleitenden.
Im Zentrum steht die Praxisanleitungsmethode (PAM):
ein didaktisches Konzept, das Anleitung als strukturierte, reflektierte und lernwirksame Umgebung versteht – weit über reine Anweisung hinaus.
Begleitet wird die Methode durch Beiträge zu Kompetenzentwicklung, digitalen Lernumgebungen, Skills Lab, Weiterbildungskonzepten und fachdidaktischen Perspektiven.
Das Werk zeigt eindrucksvoll:
Praxisanleitung ist keine Zusatzaufgabe, sondern eine pädagogische Profession im Werden.
Kapitel 1: Praxisanleitung als Lernumgebung
Sebastian Anselmann beschreibt die Pflegepraxis als komplexen Lernort, an dem formales, non-formales und informelles Lernen ineinandergreifen.
Modelle wie das 4C/ID-Modell und das Cognitive Apprenticeship bilden die theoretische Grundlage:
Lernende werden Schritt für Schritt vom Beobachten über das Handeln zur Reflexion geführt.
Praxisanleitung wird so zu einem didaktisch gestalteten Lernprozess, nicht zu einer spontanen Hilfestellung.
Kapitel 2: Kompetenzen für die praktische Pflegeausbildung
Veronika Anselmann und Ulrike Schleich systematisieren die Kompetenzen von Praxisanleitenden – von Fachwissen über pädagogische und personale Kompetenz bis zu Reflexionsfähigkeit und Kommunikation.
Zugleich beleuchten sie die rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen der Pflegeausbildung.
Praxisanleitende werden hier als pädagogische Expert:innen sichtbar, die Verantwortung für die Qualität der Ausbildung tragen und Lernprozesse gezielt steuern.
Kapitel 3: Die Praxisanleitungsmethode (PAM)
Im Kernkapitel stellt Veronika Anselmann die Praxisanleitungsmethode selbst vor – eine empirisch entwickelte Struktur für die Planung, Durchführung und Reflexion von Anleitungen.
Sie umfasst sieben Schritte:
Planen – Vormachen – Üben – Betreuen – Reflektieren – Explorieren – Bewerten.
Damit liefert die PAM ein präzises Handlungskonzept, das pädagogische Professionalität in den Alltag überträgt – evidenzbasiert, praxisnah und lernwirksam.
Kapitel 4: Praxisanleitung im Skills Lab
Sinika-Marie Schneider positioniert das Skills Lab als dritten Lernort zwischen Schule und Praxis.
Hier werden komplexe Pflegesituationen simuliert, reflektiert und evidenzbasiert ausgewertet.
Skillstrainings und Simulationen schaffen Sicherheit, fördern Teamarbeit und reflektierte Entscheidungsprozesse.
Das Kapitel zeigt, wie erfahrungsbasiertes Lernen und digitale Didaktik Hand in Hand gehen.
Kapitel 5: Strukturmodell zur Weiterbildung
Benjamin Bohn entwickelt ein Blended-Learning-Modell für die Weiterbildung von Praxisanleitenden.
Auf Basis des Inverted Classroom Models und des Cognitive Apprenticeship entsteht ein sechsstufiges Weiterbildungskonzept, das Präsenz, Online-Phasen und Selbstlernzeiten kombiniert.
Videos, Podcasts und Simulationen fördern selbstgesteuertes, praxisorientiertes Lernen – und machen Weiterbildung zu einem lebendigen, reflexiven Prozess.
Kapitel 6: Professionsentwicklung der Praxisanleitenden
Marcus Mittenzwei zieht die Linien zusammen:
Praxisanleitung ist im Wandel – zwischen Pflegepraxis, Bildungssystem und gesellschaftlichen Erwartungen.
Er zeigt, dass Professionalität sich aus fachdidaktischem Wissen, Bildungsethos und Reflexionsfähigkeit speist.
Das Kapitel schließt mit einem klaren Appell:
Praxisanleitende brauchen wissenschaftliche Fundierung, fachdidaktische Kompetenz – und Räume, in denen sie ihre Profession weiterentwickeln können.
Fazit
Die Praxisanleitungsmethode ist weit mehr als ein Fachbuch.
Es ist ein Referenzwerk für moderne Pflegebildung – fundiert, reflektiert und an der Praxis orientiert.
Wer verstehen will, wie Lernen in der Pflege professionell gestaltet werden kann, findet hier Antworten – und Anregungen für die eigene Rolle.
Leseempfehlung: Dieses Buch gehört in jede Bibliothek von Praxisanleitenden, Pflegepädagog:innen und Bildungseinrichtungen der Pflege.
