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a) Lernort Schule

Die Schule vermittelt vor allem:

  • theoretische Grundlagen
  • Begründungswissen („Warum macht man das so?“)
  • explizites Fachwissen (klar formuliert, nachvollziehbar, prüfbar)

Hier entsteht das Wissen, das später in der Praxis wirksam werden soll.

b) Lernort Praxis

Die Praxis ist das Feld für arbeitsgebundenes Lernen:

  • reale Abläufe, echte Patient:innen, echte Verantwortung
  • Aufbau von implizitem Erfahrungswissen („Wie geht das im Alltag wirklich?“)
  • Einübung von Routinen, Kommunikation, Prioritäten

Hier wird Wissen zur Handlungskompetenz.

c) Dritter Lernort (z. B. Skills Lab)

Der dritte Lernort fungiert als sichere Brücke:

  • Üben ohne Zeit- und Handlungsdruck
  • Simulation realistischer Situationen
  • Fehler machen dürfen, ohne Patient:innen zu gefährden
  • direkter Theorie-Praxis-Dialog (Was wurde gelernt? Was braucht es für die Anwendung?)

Wichtig: Transfer entsteht nicht durch bloßes Nachahmen.
Ein echter Theorie-Praxis-Transfer braucht:

  • Sinn und Begründung einer Handlung („Warum diese Maßnahme – und nicht eine andere?“)
  • kognitives Nachvollziehen durch die Lernenden
  • Kenntnis des aktuellen Ausbildungsstands, um Anleitung passgenau zu planen

Typische Ursachen:

  • Zeitdruck und Personalmangel
  • fehlendes Material oder andere Stationsstandards
  • individuelle Bedürfnisse und Situationen der zu Pflegenden

Das kann zu Unsicherheit, Zweifel („Habe ich falsch gelernt?“) oder sogar Lernblockaden führen.

Aufgabe der Praxisanleitung ist hier nicht, die Theorie „kleinzureden“, sondern gemeinsam zu klären:

  • Was ist in dieser Situation realistisch?
  • Was ist sicherheitsrelevant und unverzichtbar?
  • Welche Prioritäten sind sinnvoll?
  • Wie kann theoretisches Wissen angepasst werden, ohne es zu verlieren?

a) Transferaufgaben

Konkrete Aufgaben nach einer Lerneinheit, z. B.:

  • „Wende das Thema Prophylaxen bei einem passenden Patient:innenfall an und begründe deine Entscheidung.“

Transferaufgaben machen Theorie handlungsrelevant.

b) Vorsatzbildung

Auszubildende formulieren eine klare Absicht, z. B.:

  • „Heute führe ich bei Patient X eine Dekubitusprophylaxe durch und bespreche danach die Begründung.“

Vorsätze erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Wissen aktiv eingesetzt wird.

c) Lernzielkataloge

Von der Praxis erstellte Übersichten:

  • Welche Lernchancen bietet dieses Einsatzgebiet?
  • Was kann beobachtet, geübt, übernommen werden?

d) Ausbildungsmanuale und Lerntagebücher („Beutebuch“)

Dokumentation des Lernprozesses:

  • Was habe ich gelernt?
  • Wo habe ich es angewendet?
  • Was war schwierig?
  • Welche Vorsätze nehme ich mit?

Das stärkt Wiederholung, Reflexion und langfristige Verankerung.

e) Reflexion durch Vor- und Nachgespräche

Ohne Reflexion kein Transfer.
Regelmäßige Gespräche verknüpfen:

  • theoretisches Wissen
  • praktische Erfahrung
  • Feedback und Schlussfolgerungen für die nächste Situation

f) Problembasiertes Lernen (PBL)

Auszubildende bearbeiten reale Pflegeprobleme und entwickeln Lösungen:

  • fördert klinisches Denken
  • trainiert das Übertragen von Wissen auf neue Fälle
  • stärkt Entscheidungsfähigkeit und Begründungskompetenz

Anselmann, V., Anselmann, S., & Bohn, B. (Hrsg.). (2025). Die Praxisanleitungsmethode. Springer.

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