Studentin im Pflegestudium unterhält sich mit der Praxisanleiterin

Akademisierung in der Praxisanleitung – warum sie mehr ist als ein Titel

„Warum entscheiden wir uns hier genau so?“
„Gibt es dazu eigentlich wissenschaftliche Erkenntnisse?“
„Und wie ordnen wir das ethisch ein?“

Doch die Realität an den Lernorten hat sich verändert. Heute stehen Praxisanleitende zunehmend vor der Aufgabe, unterschiedliche Qualifikationsniveaus parallel zu begleiten. Auszubildende und Studierende lernen am selben Ort, oft im selben Team – bringen jedoch sehr unterschiedliche Anforderungen, Erwartungen und Lernlogiken mit.

Während Auszubildende vor allem Handlungssicherheit, Struktur und Orientierung benötigen, sollen Studierende komplexe Situationen analysieren, wissenschaftliche Erkenntnisse einordnen, Entscheidungen begründen und ihr Handeln kritisch reflektieren.
Beides ist anspruchsvoll – aber eben nicht identisch.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Umfang des Wissens, sondern in der Art, wie Lernen begleitet wird. Akademische Praxisanleitung zielt weniger darauf ab, Antworten zu liefern, sondern vielmehr darauf, Denkprozesse anzuregen, Perspektiven zu öffnen und Urteilsbildung zu ermöglichen.

Das bedeutet, Unsicherheiten nicht sofort aufzulösen, sondern sie als Lernanlass zu nutzen. Es bedeutet, Fragen stehen zu lassen, wo früher schnelle Lösungen gefragt waren. Und es bedeutet, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht aufzusetzen, sondern sie behutsam mit der Praxis zu verweben.

Viele Praxisanleitende spüren diese Lücke im Alltag sehr deutlich, können sie aber oft schwer benennen. Der Eindruck entsteht, dass die eigene Anleitung „eigentlich funktioniert“, sich aber gleichzeitig nicht mehr ganz stimmig anfühlt.

Im Mittelpunkt stehen Fragen wie:
Wie begleite ich Lernende beim Denken?
Wie wird Wissenschaft in der Praxis anschlussfähig?
Wie lassen sich Kompetenzentwicklung, Selbststeuerung und Verantwortung gezielt fördern?

Einige mögliche Impulse:

  • häufiger nach Begründungen fragen statt nach richtigen Lösungen,
  • Lernende ermutigen, Entscheidungen laut zu denken,
  • wissenschaftliche Fragen in den Praxisalltag holen, ohne sie zu dominieren,
  • Anleitung nicht nur als Handlungstraining, sondern als Denkraum begreifen.

Manchmal reicht ein veränderter Einstieg:
Nicht mehr „Ich zeige dir, wie es geht“,
sondern:
„Wie würdest du dein Vorgehen begründen?“